Sportstandort Dresden
Dresdner Fußballgeschichte
Das die Stadt Dresden nicht nur eine Kunst- sondern auch eine Sportstadt ist, dürfte wohl allen bekannt sein. Daher unternehmen wir für sie eine kleine Zeitreise über Erfolge Dresdner Fußballvereine, bis hin zur Gegenwart.
Der am 30.April 1898 gegründete Dresdner Sportclub 1898 ist wohl zweifelsohne der erfolgreichste und bekannteste Fußballverein der Vorkriegsgeschichte. Der rasante Beliebtheitsgrat der Friedrichstädter begann Anfang des 20.Jahrhunderts. So wurde bereits im Jahre 1919 im Ostragehege ein Stadion (das heutige Heinz-Steyer-Stadion) für über 20.000 Zuschauer errichtet. Das Gelände wurde über die Jahre stetig ausgebaut, so daß zu einigen Spielen bis zu 65.000 (!) Zuschauer ins Rund pilgerten. Die größten Erfolge feierte der Club in den 40-er Jahren, als sie zweimal Deutscher Pokalsieger (1940, 1941) und ebenfalls zweimal Deutscher Meister (1943, 1944) wurden, und damit die legendäre "Victoria", die Meistertrophäe errangen! Der wohl bekannteste Spieler seiner Zeit war der in Ost- wie Westdeutschland gleichermaßen beliebte Helmut Schön ("der Mann mit der Mütze"). Nach dem Krieg kehrte er Dresden zwar den Rücken, wurde aber als Trainer 1974 mit der bundesdeutschen Auswahl Weltmeister. Neben ihm aber unvergessen bleiben auch Spieler wie Richard Hofmann, Herbert Pohl, Heinz Hempel oder Machate. Mit der Bombennacht am 13.Februar 1945, die Dresden in Schutt und Asche legte, starb auch der DSC und wurde erst 55 Jahre danach wieder zum Leben erweckt. Als sehr gute Vorkriegsvereine gelten aber auch der Dresdner Sport-Verein Guts Muts (Mitteldeutscher Meister 1923), der Dresdner Sport-Verein 1910 (sechsmaliger Deutscher Meister der Arbeitersportler), die Sportfreunde 01 (Pokal-Viertelfinalist 1935) und Dresdensia. Nach 1945 wurden alle ehemaligen Vereine von den Alliierten unter ihren alten Namen verboten. Der DSC nannte sich danach SG Friedrichstadt und wurde 1948/49 Sachsenmeister und 1949/50 immerhin DDR-Vizemeister. Den erneuten Untergang erlebte der Verein am 17.April 1950, dem letzten Spieltag dieser Saison, im eigenen Stadion. SED-Chef Walter Ulbricht, der persönlich an diesem Tag im Stadion anwesend war und andere hohe Funktionäre befehligten die Niederlage gegen Horch Zwickau. Der Sportclub unterlag in einem skandalösen "Endspiel" am Schluß mit 1:5. 60.000 Zuschauer waren daraufhin so aufgebracht, daß es zu Ausschreitungen kam und selbst berittene Polizei einschreiten mußte. Nach der Niederlage ging fast die komplette Mannschaft zu Hertha BSC Berlin. Damit löste sich die SG Friedrichstadt in ihrer Konstellation auf. Fußball wurde jedoch weiterhin gespielt. Mit den neu gegründeten Vereinen Volkspolizei (nahm den Platz von Friedrichstadt ein!, später Dynamo) und Rotation Dresden spielten immerhin zwei Vereine in der höchsten Spielklasse der DDR. Aus Rotation wird 1954 SC Einheit und der Verein zieht ins Rudolf-Harbig-Stadion. Dynamo Dresden dagegen spielt im Heinz-Steyer-Stadion. Paradoxer Weise ist dies heute genau andersherum. VP Dresden bestritt sein erstes Oberligaspiel am 02.09.1950 in Stendal. 1952/53 gelingt der erste große Coup mit dem Gewinn des DDR-Meistertitels. Am 12.04.1953 wird im Kino "Schauburg" offiziell die SG Dynamo Dresden gegründet. Ein Jahr später wird jedoch der angefangene Höhenflug erst mal jäh gestoppt. Die komplette Mannschaft wird nach Ost-Berlin "delegiert" und läuft unter dem Namen SC Dynamo Berlin auf. Die Dresdner dürfen aber unter ihrem Namen in der 2.Liga weiterspielen und erst 1962 gelingt ihnen der Aufstieg in die höchste Spielklasse der DDR. 1968 steigt der Verein jedoch erneut in die Zweitklassigkeit ab. Mit dem Wiederaufstieg ein Jahr später, beginnt die ruhmreichste Zeit der SG Dynamo. Da Dresden zum Leistungszentrum in Sachen Fußball ernannt wird, ist die FSV Lok Dresden (Nachfolger von Rotation), spielend in der Zweiten Liga, nur noch Spielerlieferant für Dynamo. In der Saison 1970/71 wird die SG erneut DDR-Meister. Unter Walter Fritzsch gelingt der Aufstieg in die europäische Elite. Er holt fünf Meistertitel und im Europapokal reichen sich Vereine wie Bayern München, Juventus Turin oder der FC Liverpool in Dresden die Klinke in die Hand. Bekannteste Spieler zu dieser Zeit sind Gert Heidler, Hansi Kreische, Siegmar Wätzlich, Horst Rau und Klaus Sammer, um nur einige zu nennen. Aus dieser Ära stammt auch der Name "Dresdner Kreisel". Insgesamt holt der Verein Sieben Meister- und Pokaltitel. In den 80-er Jahren bilden sich Spieler wie Ulf Kirsten, Matthias Sammer oder Torsten Gütschow zu Top-Spielern heraus. 1989 gelingt dem Club der größte Erfolg der Vereinsgeschichte mit dem Einzug ins Europacup-Halbfinale. Dort scheitert man knapp am VfB Stuttgart. Nach der Wende steigt Dynamo neben Rostock in die deutsche Eliteliga, der Bundesliga, auf. Bis 1994 bleibt man in dieser Liga, doch Mißmanagement und Postenschacherreien treiben den Verein in den finanziellen Ruin. So muß man sogar bis in die Dritte Liga absteigen. Auch für die später zweigleisige Regionalliga verpaßt man die Qualifikation und spielte bis zur letzten Saison in der vierten Liga (Oberliga). Den Wiederaufstieg in die Regionalliga schaffte der Club in diesem Jahr.
Einen anderen Weg dagegen bestritt der Dresdner Sportclub. 1990 gründet sich der Verein aus der FSV Lok Dresden erneut. Er fängt in der Bezirksliga an und arbeitet sich stetig, auch mit einigen Tiefpunkten, nach oben. 1998 löst man sich aus dem Gesamtverein und nennt sich in DSC Fußball98 um. Im gleichen Jahr gelingt auch der Aufstieg in die Dritte Liga und die darauffolgende Qualifikation in die Regionalliga Nord.