| Geschichtsunterricht für
Fußball-Unkundige 1943-1944
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| Die Meistertitel des Dresdner SC 1898 | |
| 4:0 wurde Danzig also in der 1.Vorrundenbegegnung um die
Deutsche Meisterschaft geschlagen. Am 16.Mai gab es dann das nächste
Spiel, der Gegner sollte Eintracht Braunschweig heißen. Mehr als 20.000
Zuschauer liesen es sich nicht nehmen ins Ostragehege zu kommen, um die
Schön und Co. wirbeln zu sehen.König, Schaffer, Erdl und Hofmann
schossen in der 2.Halbzeit den verdienten, sicheren Sieg heraus. Nun war
der DSC reif für die dt. Meisterschaft! Dies sahen in der Zwischenrunde
dann auch 27.000 Zuschauer in der Hannoverschen Hindenburg-Kampfbahn
beim Spiel des DSC gegen Holstein Kiel. Wie die damalige „Fußballwoche“
schrieb, kam der prachtvollen Kombinationsfußball spielende
Sachsenmeister gegen den Schalke-Bezwinger in sicherer Haltung ins
Endspiel. Schön, Kugler und Erdl erzielten die DSC-Tore, Boller
erzielte den zwischenzeitlichen Kieler Anschlußtreffer. Das Berliner
Olympiastadion sah dann am 11.07.43 das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft
zwischen dem Dresdner SC 1898 und dem FV Saarbrücken. Kaum ein
neutraler Zuschauer im weiten Rund glaubte an einen Erfolg der Saarländer,
zu klar dominierte der DSC in den letzten Monaten und Jahren. So wurde
es dann (zumindest vom Ergebnis her) eine ganz klare Angelegenheit des
DSC, welcher sich verdient mit 3:0 durchsetzte und die Victoria mit nach
Dresden nehmen durfte, wo man den Spielern bei deren Einzug in Sachsens
Hauptstadt einen triumphalen Empfang bereitete. Der Hauptbahnhof mußte gesperrt werden, vorallem die Jugend war in der späten Nachmittagsstunde zur Stelle und bereiteten dem neuen Meister in seiner Heimat einen erhebenden Empfang. Es machte dann auch erhebliche Mühe den Zug zu formieren, der unter Führung eines Musikkorps zum Rathaus marschierte. Das Gedränge vom Bahnhof war auf den Marschstraßen zum dichtbesetzten Ehrenspalier geworden. Nun kam das offizielle Dresden. Am Rathauseingang überbrachte Stadtrat Büttner den ersten Gruß, sprach von eisernen Willen und von meisterlichen Können, das nach jahrelangen Bemühungen endlich mit dem höchsten Meisterpreis belohnt worden sei. Diesem ersten Begrüßungsakt folgte in den Festräumen des Rathauses eine Feier. Es wurde dem Oberbürgermeister leicht gemacht, nach dem Empfang, der dem deutschen Fußballmeister schon am Bahnhof und in den Straßen zuteil geworden war, die Anteilnahme zu versichern, die Dresden als Heimatstadt an dem Meistersieg nehme. Jetzt hatten wir die Meisterschaft, schon wurde sich wieder eine neue Aufgabe gestellt. Sie paßte so recht zu der nun schon seit Jahren gezeigten Manier dieser Elf, das ganze Spieljahr auf Draht zu sein und Ruhepunkte nicht zu kennen. So sind ja auch die Erfolgsserien des DSC zustande gekommen, 1941 mit 41 Spielen ohne Niederlage, 1943 mit 43 Spielen in Folge ohne geschlagen zu werden. Jetzt will der Meister auch Tschammer-Pokalsieger werden! Doch bereits Mitte Oktober ist dieser Traum ausgeträumt, denn nach den großen Erfogen mußte man im Semifinale dem LSV Hamburg vor 24.000 Zuschauern den Vortritt gewähren, welche damit gegen Vienna Wien in Stuttgart um den Pokalsieg streiten konnten. Der DSC hatte die Chance durch das 1:2 in Hamburg selbst verspielt, ja man hatte nicht einmal die Chance zu gewinnen, viel zu klar dominierten die Flaksoldaten, viel zu spät fiel das Anschlußtor! Dafür führte man die Sachsenmeisterschaft wieder klar an, konnte somit Anlauf auf eine erfolgreiche Titelverteidigung nehmen. In Vorbereitung darauf wurde gegen Preßburg 5:1 und gegen Vienna Wien 6:2 gewonnen, ein Beweis wiederkehrender Spielfreude! Doch dann kam ein Rückfall in alte Zeiten, man verlor erneut gegen LSV Hamburg, und das im heimischen Ostragehege mit 1:5! Zum zweiten Male zeigte uns dieser Widersacher, daß der Glanz des DSC nicht alltäglich und schon lange keine Selbstverständlichkeit ist. Wurde der DSC dadurch rechtzeitig wachgerüttelt? Jedenfalls bekamen die ersten zwei Vorrundengegner dies gewaltig zu spüren. Zunächst wurde Germania Königshütte und dann Borussia Fulda mit jeweils 9:2 (!!!) weggefegt! In der Zwischenrunde wartete kein Geringerer als Vienna Wien, doch auch hier zeigten die DSC-er alte Tugenden, steckten ein schnelles 0:1 locker weg, erzielten selbst drei Tore in Folge und ließen sich auch nach dem nochmaligen Anschlußtreffer des Kontrahenten nicht mehr aus der Ruhe bringen. 45.000 Zuschauer stärken dem DSC dazu im Ostragehege den Rücken. Köpping und zweimal Schön waren die Torschützen. Nun mußte der 1.FC Nürnberg auf dem Weg zur 2.Deutschen Meisterschaft aus dem Weg geräumt werden, in der Mitteldeutschen Kampfbahn zu Erfurt fand dieses Spiel statt. Doch auch hier bewies der DSC gewachsenes Selbstbewußtsein und Können, denn während die Nürnberger noch vor Ehrfurcht vor den großen Namen des DSC erstarrten, lagen sie auch schon mit 0:2 zurück. Kurz vor der Pause dann der Anschlußtreffer, doch gerade in der kritischsten Phase des Spiels, Mitte der 2.Halbzeit, schoß der DSC das entscheidende 3:1. Bis dahin vergaben die Cluberer einige gute Ausgleichschancen. Voigtmann, Machate und Schön schossen die Tore des DSC. 60.000 Zuschauer sollten nun miterleben, wie im Berliner Olympiastadion der DSC sich bitter für die Pleiten im Tschammerpokal im Oktober 1943 (1:2) und das Spiel vom 26.03.44 im Ostragehege (1:5) revanchierte. In jeder Phase des Spiels war der DSC die bessere Mannschaft und gewann verdient mit 4:0 die deutsche Meisterschaft zum zweiten Male in Folge. Voigtmann (20.), Schaffer (50.), Schön (60.) und erneut Schaffer (85.) sorgten in beständiger Zeitfolge für Jubel auf den Zuschauerrängen. Zwar hatte der Krieg vielen die Lust am Sport genommen, doch hatte eben dieser DSC das Können, den Menschen in dieser schweren Zeit etwas Freude zu bereiten! Wer es an jenem 26.März aus eigener Anschauung erlebt hat, wie der DSC vor einem unerwartet selbstbewußt auftretenden LSV Hamburg nahezu widerstandslos kapitulierte, der konnte nicht auf den Gedanken kommen, daß der DSC drei Monate später dennoch zum zweiten Male dt. Kriegsfußballmeister sein würde. Der DSC hatte das maximale Tief des Wellentales zwischen Stark und Schwach an jenem grauen Märztage erreicht, der LSV Hamburg hingegen stand auf der höchsten Sprosse der Leiter, die ihn so steil aufwärts geführt hatte. Es hat sich zwölf Wochen später herausgestellt, daß der LSV den Gipfel seiner Form damals zu früh erreicht hatte und daß andererseits die 1:5-Niederlage, die der DSC von den Hamburgern bezogen hatte, in Wirklichkeit ein Gewinn für den DSC war. Am Abend dieser Niederlage gab es in ganz Dresden, eingeschlossen den intimsten DSC-Kreis, keinen, der nicht den Kopf hängen ließ, aber schon wirkte das anfangs lähmend wirkende Gift dieser Niederlage, und zwar in einer ganz anderen Richtung. Es brachte das träge gewordene Blut des Mannschaftskörpers wieder in Fluß, die DSC-Mannschaft erhob sich aus der Resignation, in der sie unterzugehen drohte, der Wille, wieder zu werden, was sie gewesen, wurde aus dem schweren Mißgeschick geboren, mit einem Ruck das Steuer herumgerissen. So ist es möglich geworden, die zweite deutsche Meisterschaft zu erobern. |
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